RESI

River Ecosystem Service Index

RESI
RESI

Analyse und Bewertung von Ökosystemleistungen in Flusslandschaften

Flüsse und ihre Überschwemmungsgebiete, die Auen, werden in Mitteleuropa heute für verschiedenste Zwecke intensiv genutzt, wie etwa zur Nutzung der Wasserkraft, für Schifffahrt, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Straßen, Eisenbahnlinien, Industriegebiete, sowie für verschiedene Wassersportaktivitäten. Hierfür sind die meisten Flüsse begradigt oder aufgestaut worden, wobei die Auen durch Hochwasserdeiche von den Flüssen abgetrennt wurden. Auf der anderen Seite ist inzwischen der Wert der verbliebenen naturnahen Flussabschnitte und dynamischen Auen erkannt worden, da sie zum Rückhalt der immer häufiger auftretenden Jahrhunderthochwässer beitragen. In der Folge sind vielerorts Konflikte entstanden hinsichtlich der weiteren Nutzung der Flüsse und Auen. Ein Interessenausgleich wird dadurch erschwert, dass die konkurrierenden Nutzungsansprüche der verschiedenen Akteure von verschiedenen Institutionen und auf verschiedenen politischen Ebenen und entsprechend unterschiedlicher gesetzlicher Vorgaben verwaltet werden, wie etwa der EG-Wasserrahmen-, der EG-Hochwasserrisikomanagement- und der EG-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Diese sektoralen Ansätze behindern behördliche Abstimmungsprozesse und die Entwicklung integrierter Planungen, und damit auch die Suche nach Wegen, wie Synergien bei der Fluss- und Auenbewirtschaftung zu optimiert und negative Wechselwirkungen minimiert werden können.

Ziele

Das Verbundforschungsprojekt RESI zielt darauf ab, die derzeitigen Entscheidungsgrundlagen durch die Entwicklung eines “River Ecosystem Services Index” (RESI) zu verbessern. Im RESI-Projekt sollen dabei die derzeitigen, zustandsbasierten und sektoralen Bewertungsansätze durch eine funktionsorientierte Bewertung ergänzt werden auf der Grundlage der Bewertung der Ökosystemleistungen, die von Flüssen und Auenflächen bereit gestellt werden.

Das Projekt erfasst hierfür an fünf exemplarischen Gewässerabschnitten die dargebotenen und aktuell genutzten Ökosystemleistungen und bewertet sie durch einen zu entwickelnden „Flussökosystemleistungsindex“. Der „River Ecosystem Service Index“ (RESI) kann somit als Werkzeug zur Bewertung verschiedener Entwicklungsszenarien in der wasserwirtschaftlichen, umweltplanerischen und naturschutzfachlichen Praxis genutzt werden. Mit RESI wird somit eine integrative ökologisch-ökonomische Plattform bereitgestellt zur Entwicklung abgestimmter sektorenübergreifenden Bewirtschaftung von Flusskorridoren. Optimierung der sektorenübergreifender Bewirtschaftungsmodelle für Flusskorridore. Mithilfe des RESI können dadurch Bewirtschaftungsszenarien auf nachvollziehbare Weise hinsichtlich einer möglichst zielkonformen multiplen Nutzung von Flusslandschaften optimiert werden.

Krumme Spree 010910_18

Hochwasser an der Spree 2010

Modellregionen

  • Bayerische Donau zwischen Neuburg und Deggendorf
  • Oberrhein zwischen Basel und Mainz einschließlich Nahe-Einzugsgebiet
  • Mittelelbe zwischen Torgau und Magdeburg inklusive Bode-Einzugsgebiet
  • Havel-Spree-Einzugsgebiet
  • Wupper-Einzugsgebiet

Ausgewählte Zwischenergebnisse

  • Die erste Phase des RESI-Projekts hatte das Ziel, die in Flüssen und Auen relevanten Ökosystemleistungen zu bestimmen, das Ökosystemleistungskonzept für die Anwendung in Flusskorridoren anzupassen sowie geeignete Datenquellen und Indikatoren bzw. Modelle zu identifizieren. In einer umfassenden Literaturstudie wurde eine Übersicht der verschiedenen Klassifizierungsansätze für Ökosystemleistungen erstellt und diese hinsichtlich der Anwendbarkeit in Flüssen und Auen sowie der internationalen Anschlussfähigkeit an die „Common International Classification of Ecosystem Services“ ausgewertet.
  • Im Ergebnis wurden 27 Ökosystemleistungen identifiziert. Dabei erfasst das RESI-Projekt, im Gegensatz zu anderen Studien, Ökosystemleistungen aller drei Hauptgruppen, nämlich acht versorgende, elf regulierende und acht kulturelle Ökosystemleistungen.
  • Die verschiedenen Quantifizierungsmethoden für die einzelnen Ökosystemleistungen werden derzeit in den Modellregionen erprobt in Bezug auf Datenverfügbarkeit, Herausforderungen bei der Datenaufbereitung und Modellvalidierung.

 Weitere Informationen

Kontakt

  • IGB - Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei

    Abteilung Ökosystemforschung

    PD Dr. Martin Pusch
    T: +49 30 64181 685, -681
    M: pusch@igb-berlin.de

  • Simone Beichler
    T: +49 30 64181 759
    M: beichler@igb-berlin.de